Be 4/6 I 12332
«Rehbock»

Be 4/6 12332, Indienststellung 1922, Höchstgeschwindigkeit 75 km/h, Gewicht 110 t. Von 1920 bis 1923 wurden von den SBB 40 Lokomotiven dieses Typs in Betrieb genommen.

Die Lokomotiven 12317–12342 wurden zwischen April 1921 und April 1923 direkt an den Gotthard ausgeliefert und auf die Depots Erstfeld und Bellinzona verteilt.

 

Die eingeteilten Leistungen zwischen Erstfeld und Bellinzona waren dann ab dem 1. Juni 1921 wie folgt:

  • 3 Be 4/6 Depot Bellinzona
  • 3 Ce 6/8 Depot Biasca
  • 3 Be 4/6 Depot Erstfeld
  • 3 Be 4/6 Depot Erstfeld

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Die Geschichte der Be 4/6 12332 «Rehbock»

© André Müller, Team Erstfeld

Noch bevor die Probelok Be 4/6 12302 (vorgängig Fb 2x2/3 11302) im April 1919 von den SLM und BBC abgeliefert wurde, hatte die SBB den Bau der ersten zehn Serienloks bereits im Mai 1918 in Auftrag gegeben. Schon im Juli desselben Jahres erfolgte die erste Nachbestellung von weiteren sechs Lokomotiven. Nachdem mit den ersten Maschinen bereits gute Erfahrungen gesammelt wurden, hat man in den Jahren 1920 und 1921 weitere Baulose bestellt.

Unsere 12332 stammt aus dem Jahr 1921 und somit aus dem letzten Baulos. Bei diesen Lokomotiven wurde ab Werk die Platzierung der technischen Ausrüstung gegenüber den vorangegangenen Loks teilweise abgeändert. Die Stromabnehmer haben ihre jeweiligen Plätze mit denen der Bremswiederstände getauscht, wurden also vor den Widerständen an den Dachenden montiert. Dies wohl mit der Begründung, durch den grösseren Abstand zwischen den beiden würde die Beanspruchung des Fahrdrahtes (anfangs mussten beide Stromabnehmer angehoben sein) verringert werden. Da die Stromabnehmer genau dieser Loks dazu neigten, „neben den Draht“ zu gelangen, wurde diese Anordnung bereits um 1930 wieder zurückgebaut entsprechend den vorher gelieferten Maschinen.

Die letzte Serie (12317-12342) wurde zwischen April 1921 und April 1923 (somit auch unsere 12332) von den SBB in Betrieb genommen und kamen direkt an den Gotthard, wo sie auf die Depots Erstfeld und Bellinzona verteilt wurden.

Die 12332 wurde von 1921 bis 1962 stets am Gotthard eingesetzt, wo sie Dienst vor Schnell- und Personenzügen leistete sowie als Vorspann- und Schiebelok im täglichen Einsatz stand.

Während diesen rund 41 Jahren wechselte sie mehrfach zwischen den Heimatdepots Erstfeld, Bellinzona und Luzern.

Ab 1963 wurden alle noch am Gotthard verbliebenen Be 4/6 von den Ae 6/6 ins Flachland verdrängt. Die 12332 landete im Depot Biel, von wo aus sie zum Teil immer noch auf Gefällsstrecken zum Einsatz kam bis sie um 1966 ins Depot Winterthur verschoben wurde. Zuletzt gehörten die schweren Personenzüge entlang an der rechtsufrigen Zürichseelinie zu ihrem täglichen Brot.

Im Dezember 1972 gelangte die 12332  fast zeitgleich mit der 12333 in die Hauptwerkstätte Bellinzona. Eine der beiden Maschinen sollte für das Verkehrshaus aufgearbeitet werden. Da die 12333 in einem noch schlechteren Zustand war als die 12332 entschied man sich zur Erhaltung der Letzteren.

Im Juni 1973 hat man sich umentschieden und die Lok sollte als Denkmal im Bahnhof Baden auf einen Sockel gestellt werden (anstelle der Eb 3/5 5811). Aus diesem Grund erhielt die HW Bellinzona den Auftrag, in Zusammenarbeit mit der Depotinspektion Winterthur, die Stromabnehmer wieder an die Dachenden zurück zu versetzen (und an deren Stelle die Bremswiderstände). Zum Schluss erhielt die Maschine wieder ihr altes Farbkleid; der Kasten wurde braun, Rahmen, Lauf- und Triebwerk wurden wieder schwarz gestrichen.

Dergestalt war die Lok zwar nie unterwegs (während ihrer aktiven Zeit erfuhren diese Lokomotiven einige Umbauten; braun/schwarze Lackierung, keine Fronttüren, Stromabnehmer an Dachenden, Betriebsnummer-Schild vorne/hinten nach unten versetzt, waagrechter Handlauf, um nur ein paar zu nennen...), aber das wurde damals wohl als „in Ordnung“ empfunden.

Im September 1981 wurde die Lok wieder vom Sockel geholt (u.a. als Übung für angehende Ingenieure der DI Winterthur), um dann doch noch im Verkehrshaus ausgestellt zu werden. Dazu wurden die diversen Mängel, die wohl so manchem Kenner und Betrachter (verständlicherweise oft negativ) aufgefallen sind, wieder in Ordnung gebracht.

Die Stromabnehmer und die Bremswiederstände haben (nun zum letzten Mal) erneut miteinander die Plätze getauscht. Die einst zugeschweissten Übergangs-Türen wurden „optisch“ nachgerüstet, die Übergangsbleche an beiden Fronten wurden wieder montiert. Die waagrechte Griffstange (ebenfalls an beiden Lokenden) musste den beiden senkrechten Platz machen. Dergestalt wurde sie im VHS Luzern den Besuchern während Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Seit dem Jahr 2020 steht die Be 4/6 12332 (übrigens die Lok mit der höchsten Laufleistung von stattlichen 5’034’083km) wieder im Depot Erstfeld, wo sie unter der Obhut unseres Vereins – neben weiteren Schienenlegenden des Gotthards –  gehegt und gepflegt wird.